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Predigt zur Neuausrichtung der VPU von Pater Michael Pfenning SAC

Beim Hochschulgottesdienst im Rahmen des Semesterabschlusses der Fakultät Theologie am 22. Juli 2022 hielt Pater Michael Pfenning SAC eine beeindruckende Predigt zur grundlegenden Neuausrichtung der VPU. Diese können Sie hier nachlesen:

„Liebe Hochschulgemeinde,

wie kann es weitergehen? Welche Zukunft hat diese Hochschule, mit welchem Profil sind wir zukunftsfähig? Dieser Ort, diese Einrichtung – nun Vinzenz Pallotti University – hat unsere Provinz, die Provinzleitung und alle verantwortlichen Frauen und Männer hier am Ort die letzten Jahre umgetrieben.

Wir mussten uns entscheiden: Licht ausmachen oder neu aufbrechen? Wir haben entschieden, uns neu senden zu lassen – senden zu lassen für Menschen, unsere Gesellschaft und die Kirche. Ausdruck dafür ist auch die neue Fakultät Humanwissenschaften. Wir beschreiten ein neues Feld. Ich bin überzeugt, wir haben dadurch die Chance, aus verschiedenen Blickwinkeln etwas zum Heil von Menschen beizutragen und bringen Werte ins Spiel, die den gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs anreichern, die einen Unterschied machen.

Unsere theologische Fakultät hat sich ganz ausdrücklich das Profil der Interkulturalität gegeben. In jedem Fach soll der Fokus darauf liegen. Zugleich soll die praktische Umsetzung in diesem – derzeit noch kleinen – Studentencampus erfolgen. So hoffen wir, für die deutsche Kirche und Gesellschaft unseren Beitrag auf diesem Gebiet leisten zu können.

Von der Bedrohungslage Anfang 2020 bis heute ist sehr Hoffnungsvolles geschehen. Ich sehe darin einen Hinweis, dass dieser Weg gesegnet ist. Ohne letzte Gewissheit, aber mit dem Vertrauen, dass Gott noch etwas mit uns vorhat, sind wir einer inneren Spur gefolgt.

Wir hatten eine begründete Hoffnung, dass sich hier an diesem Ort nochmals ein Raum öffnet, in dem wir für Menschen, für die Kirche in diesem Land einen Beitrag leisten sollen. Ein Raum, der sich schemenhaft zeigt und der mit Leben gefüllt werden will. Mit Menschen, die bereit sind neu aufzubrechen, mit neuen Zielen und neuen Gedanken!

Thomas Merten spricht vom Raum, der ständig neu gefunden werden will, in dem wir von Gott im „Hier und Jetzt“ neu geschaffen werden. Gelegentlich ersticken wir unser Leben, indem wir zu sehr unserem Horizont, unseren Überlegungen, unserem Wollen, unseren Traditionen, unseren alten Bildern vertrauen und damit weit hinter unserem eigentlichen Auftrag bleiben.

Natürlich können wir unsere alten Bilder nicht so leicht los werden. Veränderungen sind mühsam und herausfordernd für alle. Es ist leider so, dass wir über keine unbegrenzten finanziellen Ressourcen verfügen und sehr, sehr nüchtern rechnen und auch hart entscheiden mussten. Nie geschah dies leichtfertig! Ich bedauere auch sehr die damit verbundenen Verletzungen und Enttäuschungen.

Und doch, trotz schlafloser Nächte und für beide Seiten schwieriger Verhandlung mit den Verantwortlichen von Marienhaus, ahnte ich immer mehr: Gott hat mit dieser Einrichtung etwas vor! Immer wenn es aussichtslos erschien und selbst versierte Anwälte mich fragend anschauten, ging es unerwartet weiter. Ich erkenne, dass uns Pallottinern mit dieser Einrichtung eine Verheißung gegeben ist. Dass wir eine unerwartete Chance erhalten, im Vertrauen und im Loslassen der eigenen kleinen Welt, im Vertrauen auf den Geist Gottes. Wir dürfen in neue Dimensionen finden, die wir bisher nicht im Blick hatten!

Unsere menschliche Natur neigt dazu, eher sichere und berechenbare Wege zu beschreiten. Doch wenn es uns nur noch um das Berechenbare und das menschlich Denkbare geht, dann ersticken wir jede Vision und letztlich den Glauben. Dann ist unser Zeugnis am Ende. Dann brauchen wir keine Theologie mehr lehren. Dann haben wir weniger zu geben als jedes Unternehmen dieser Welt.

Wer im Kraftfeld Gottes leben will und so dem Leben gegenüber gehorsam wird, darf Wunder erleben. Ben Gurion sagte einmal: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“ Wer glaubt und Gott vertraut, der wird in eine heilsame Unruhe versetzt. So finden wir in die eigene Mitte, in den Raum, in dem wir von Gott ständig neu geschaffen werden! Betreten wir als Einzelne und als Universitätsgemeinde diesen inneren Raum, in dem wir zuhause sind und ankommen dürfen! Eben den Ort, wo man im Hier und Jetzt von Gott geschaffen wird. Dieser Glaube und diese Sichtweise sind das, was uns ausmachen und unterscheiden darf. So leben wir leidenschaftlich gegenwärtig. Gottes Wirken, den Heiligen Geist zulassen im konkreten Lebensfeld dieser Universität – das ist anspruchsvoll. Darin steckt unsere Herausforderung, das ist eine heilige, heilsame Spannung!

Ich bin überzeugt, aus dem reflektierten Erleben der vergangenen Jahre, dass Gott mit uns nochmals aufbrechen will, hier in Vallendar. Gott führt uns immer auch ins Unsichere und auf den offenen Ackerboden, weil Gott unser Vertrauen will. Die Verheißung Gottes ist nicht unvernünftig, doch verlangt sie, Gott und dem Leben mehr zu vertrauen, als dem eigenen, immer auch begrenzten, Horizont.

Wohin geht die Reise? Ich denke, es hat sich schon viel gezeigt. Es ist ermutigend, wie Lehrende, Studierende und Mitarbeiter:innen sich auf das neue Profil der Interkulturalität und Internationalisierung beherzt einlassen. Wie ermutigend war die Akkreditierung für Psychologie und Psychotherapie, wie bestärkend die Re-Akkreditierung der Theologie. An dieser Stelle möchte ich allen Akteuren, unseren verantwortlichen und zuarbeitenden Frauen und Männern von Herzen danken für die hervorragende Vorbereitung!

Es wird noch sehr spannend bleiben und verlangt weiterhin Mut und auch ein andauerndes Umdenken. Wie schon gesagt, die alten Bilder von Hochschule und dem Leben und Arbeiten in diesem Haus, werden uns nicht mehr tragen. Die könnten wir uns gar nicht mehr leisten. Das greift natürlich in den ganz konkreten Alltag. Da sind noch Probleme zu lösen und Formen des Zusammenwirkens zu entwickeln. Es braucht Mut und Vertrauen und die Bereitschaft, sich zu bewegen! Und das ist anstrengend für alle Beteiligten. Sie haben meinen Respekt und ich bitte Sie alle um Geduld. Wenn wir alle die Vision von der neuen Vinzenz Pallotti University in uns tragen und immer wieder entflammen, dann wird es leichter, die Schwierigkeiten und Rückschläge im Alltag zu überwinden und dem Neuen „Gestaltungsenergie“ zukommen zu lassen.

Dies alles bedeutet bewusst und unbewusst und auch ganz praktisch eine spirituelle Erneuerung und Stärkung. Und diese wird uns vitalisieren. Sie ist auch notwendig, denn was hier geschieht und geschehen muss, ist etwas Neues und gelingt nur, wenn möglichst alle, die hier leben, arbeiten, lehren, studieren und mittragen, neu begreifen, dass es ein Aufbruch in einen neuen Raum, in ein neues verheißenes Land ist!

Ohne Loslassen und Aufgeben von alten Bildern funktioniert das nicht. Spiritualität bedeutet Weitung, Weitung, Weitung….. und gibt uns die Ermutigung, Kundschafter des Lebens zu werden und Leben fließen zu lassen. Wie Maria Magdalena, den Auferstandenen in unserer Zeit und in unserem Kontext zu bezeugen. Unserer Gemeinschaft und unserer Universität wird diese Mission gegeben, davon bin ich überzeugt! Ein leichter Spaziergang wird unser Zukunftsweg nicht – behagliche stetige Kachelofenentspannung ist uns auch nicht versprochen.

Ich will nicht vermessen reden, doch ich glaube, die Pallottiner haben etwas, was ich so in unserer Kirche nicht selbstverständlich finde: eine Offenheit und ein Gespür für die Zeichen der Zeit, für das, was es heute braucht. Das leuchtet immer noch auf in unseren Einrichtungen. Man ahnt noch immer, das gehört zum Erbe unserer Provinz: mutig aufbrechend einer Mission folgen. Unsere Gemeinschaft ist dazu berufen, neues Leben zu ermöglichen. Pallotti sagte auf dem Sterbebett, umringt von nur wenigen Gefährten: „Diese Gemeinschaft wird gesegnet sein.“

Im Lebensstrom unserer Geschichte stehend, leidenschaftlich, gegenwärtig, möge Gott uns im „Hier und Jetzt“ in Vallendar neu erschaffen und senden. Amen“

Pater Michael Pfenning SAC

Pater Michael Pfenning SAC

(Foto: Pallottiner)

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